Hermann Dillhoff

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Hermann Dillhoff als Schützenkönig in Wellingholzhausen 1924 mit Toni Stock (1897-1981)
Hermann Dilhoff (* 1. Juni 1896 in Wellingholzhausen[1], †  ?) war ein deutscher Unternehmer. Er gründete das Textilhaus Dillhoff in Ibbenbüren und war am Pogrom gegen jüdische Bewohner Hopstens am 10. November 1938 beteiligt.

Leben[Bearbeiten]

Hermann Dillhoff wurde in Wellingholzhausen als Sohn des Arztes Anton Dillhoff (†1924 in Wellingholzhausen) geboren. 1924 wurde er Schützenkönig im Schützenverein Wellingholzhausen[2]. Sein Vater errang den Titel 1893. Hermann Dillhoff übernahm in Ibbenbüren das Haus des Barbiers, Friseurs und Tabakverkäufers Josef Schwinn und gründete dort das Textilhaus Dillhoff. Dieses wurde am 25. November 1935 mit der Registernummer HRA 1037 beim Amtsgericht Steinfurt eingetragen[3]. Am 2. Mai 1996 wurde der Eintrag aus dem Handelsregister gelöscht.

Pogrom am 10.11.1938 in Hopsten[Bearbeiten]

Am 9. November 1938 trat der Führer der Ibbenbürener SS, Anton Scheidt, etwa gegen Mitternacht zusammen mit Kreisleiter Heinrich Knolle in der Wirtschaft Bernhards in Ibbenbüren, Oberer Markt, auf und befahl den anwesenden 7-8 SA-Männern, sich zur Besprechung nach draußen zu begeben. Hermann Dillhoff sollte einen Bus besorgen. Schließlich bestellte aber Anton Scheidt selbst einen Autobus von Forsmann in Mettingen. Der Bus kam um 3 Uhr nachts, und die SA-Männer, SS-Männer und Zivilisten, bis zu 30 Personen, bestiegen den Bus. Unterwegs wurde vor Hopsten vor der Gastwirtschaft Kockmann gehalten, und der alte Herr Kockmann wurde von Scheidt gezwungen, die Häuser in Hopsten zu zeigen, wo Juden wohnten. [4]

Anzeige von Joseph David gegen Hermann Dillhoff[Bearbeiten]

Nach dem Krieg schreibt der vormals in Hopsten lebende Joseph David (geboren am 22. Juli 1904 in Malsch bei Karlsruhe[5], gestorben 1964 in New York[6]) an den Entnazifizierungsausschuss und beschuldigt den Ibbenbürener Kaufmann Hermann Dillhoff schwer. Jener habe bei einem Pogrom in Hopsten vom 9. auf den 10. November 1938 eine Gruppe von 30 Personen angeführt, die in Hopsten sein Haus in der Dorfstraße 18 verwüsteten und seine Frau Hilde mit dem Tode bedrohten, falls jene berichten solle, dass er 1000 RM, ein silbernes Zigarettenetui von Joseph David sowie Schmuck gestohlen habe. Die Gruppe zerstörte zudem das gesamte Eigentum von Alexander Reinigenheim[7] und die Synagoge in Hopsten. Joseph David und Alexander Einigenheim seien mit Eisenstöcken geschlagen worden. David führt fünf weitere mutmaßliche Täter an[8].
Hermann Dillhoff bestritt am 29. November 1949 bei einer Anhörung auf der Polizeistation 13 in Ibbenbüren nicht, bei der Tat anwesend gewesen zu sein, jedoch habe er daran nicht teilgenommen und könne sich an keine weiteren Anwesenden erinnern. Er sei wegen dieses Vorfalls bereits von Engländern verhaftet worden[9].

Kriminalpolizeiwachtmeister Gattner kam am 21. Februar 1950 zu dem Schluss, dass die Täter des Pogroms in Hopsten nicht eindeutig identifiziert werden konnten und dass die verursachten Schäden "gegenüber anderen Städten in keinem Verhältnis gestanden haben"[10].

Einzelverweise[Bearbeiten]

  1. Lars Boesenberg, Jürgen Düttmann, Norbert Ortgies, Machtsicherung, Ausgrenzung, Verfolgung: Nationalsozialismus und Judenverfolgung in Ibbenbüren, mit einem Beitrag von Marlene Klatt und Rita Schlautmann-Overmeyer, Historischer Verein Ibbenbüren, S. 87
  2. http://www.schuetzenverein-wellingholzhausen.de/koenig.htm
  3. https://www.moneyhouse.de/Hermann-Dillhoff-Ibbenbueren
  4. Akte des Staatsarchivs Münster (StAM) Staatsanwaltschaft MS Nr. 94, Strafsache gegen Dillhoff wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit
  5. als Josef David in diesem Stammbaum: http://www.rheineahnen.de/listdoc/juedfam/reing.htm
  6. http://www.joycetice.com/obitcemc/frankstobit.htm; seine Frau Hilde (Hilda) wurde am 10.02.1910 in Sögel geboren und verstarb am 13.06.2006 in New York
  7. Über Jakob Alexander Reinigenheim schreibt rheineahnen.de: Jacob Alex. Reingeheim tritt das Erbe seines Vaters an. Das Ehepaar bleibt kinderlos und adoptiert die verwaiste Nichte Hilde (Moses) Jacobs, die mit ihrem Ehemann Josef David im Haus des Großvaters Dorf N°18 aufgewachsen ist. 1939 waren Jacob und Selma Passagiere auf der "St.Louis". Die Flüchtlinge auf diesem Schiff durften in keinem Hafen Lateinamerikas an Land gehen und kehrten schließlich nach Belgien zurück. Von dort wurden sie deportiert, bevor sie ein Auswanderungsland gefunden hatten. Ihr Schicksal ist dargestellt in dem Film "The Voyage of the Damned".; von: http://www.rheineahnen.de/listdoc/juedfam/reing.htm. Deutsche Wikipedia-Seite zum Film: http://de.wikipedia.org/wiki/Reise_der_Verdammten
  8. Lars Boesenberg, Jürgen Düttmann, Norbert Ortgies, Machtsicherung, Ausgrenzung, Verfolgung: Nationalsozialismus und Judenverfolgung in Ibbenbüren, mit einem Beitrag von Marlene Klatt und Rita Schlautmann-Overmeyer, Historischer Verein Ibbenbüren, S. 85
  9. Lars Boesenberg, Jürgen Düttmann, Norbert Ortgies, Machtsicherung, Ausgrenzung, Verfolgung: Nationalsozialismus und Judenverfolgung in Ibbenbüren, mit einem Beitrag von Marlene Klatt und Rita Schlautmann-Overmeyer, Historischer Verein Ibbenbüren, S. 88f.
  10. Lars Boesenberg, Jürgen Düttmann, Norbert Ortgies, Machtsicherung, Ausgrenzung, Verfolgung: Nationalsozialismus und Judenverfolgung in Ibbenbüren, mit einem Beitrag von Marlene Klatt und Rita Schlautmann-Overmeyer, Historischer Verein Ibbenbüren, S. 94