Julius Kaufmann

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Julius Kaufmann (geboren am 14. August 1868 in Ibbenbüren, gestorben am 12. Juli 1942 im KZ Theresienstadt) war ein deutscher Kaufmann und Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Ibbenbüren in den 1930er Jahren. Er verkaufte Manufakturwaren.

Wohnort[Bearbeiten]

Julius Kaufmann wohnte in der Bahnhofstraße 21 in Ibbenbüren.

Bahnhofstr. 21 (Bahnhofstr. 3) (zwischen Ohlemeyer und Nolte)

Vereinsmitgliedschaft[Bearbeiten]

Julius Kaufmann war Mitglied im Junggesellen-Schützenverein[1]

Kaplan Daldrup über Julius Kaufmann[Bearbeiten]

Kaplan Daldrup nahm im Frühjahr 1937 zwei Ibbenbürener Juden gegen eine Diffamierung in Schutz und erhielt dafür Berufsverbot. Ferner widersprach er einer Lehrerin der Stadtschule, die vor Schülern behauptet hatte, Juden würden "nichts Gutes" tun und verwies auf die Ibbenbürener Bürger Isaak Winkler und Julius Kaufmann, die für ihre Wohltätigkeit stadtbekannt waren.[2]

Rektor A. Ströhmer über Julius Kaufmann[Bearbeiten]

Aus der IVZ vom 22. Mai 1962[3]:

Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Ibbenbüren war Julius Kaufmann, Inhaber eines Manufakturgeschäftes. Er wurde Rabbiner genannt, war aber nur Vorbeter und Vorleser. In seinem bescheidenen und gepflegten Äußeren und vor allem in seiner inneren Gesinnung war er ein ehrhaft vornehmer Mann. Jahr für Jahr kleidete er arme Erstkommunionkinder umsonst ein, regelmäßig unterstützte er die karitativen Einrichtungen beider christlichen Konfessionen. Trotz reicher Geldmittel ist es ihm nicht gelungen, die amerikanische Einreiseerlaubnis zu erlangen, er wurde 1941 nach Theresienstadt in das von der SS verwaltete Ghetto verladen und in Auschwitz vergast.

Julius Kaufmanns Neffe[Bearbeiten]

Eine Verwandte von Rektor Ströhmer, dem Leiter der ehemaligen Rektoratsschule in der Roggenkampstraße, weiß folgende Begebenheit zu erzählen:

Mein Bruder wurde in amerikanischer Gefangenschaft in einem Lager bei Marseille anlässlich der Registrierung von einem amerikanischen Offizier in Plattdeutsch angesprochen, als dieser den Wohnort Ibbenbüren hörte: 'Dann kenn jie auk Schwattbraut un vestfälsken Schinken?' Er stellte sich mit Namen Löwenberg (amerikanisiert in "Lawton") vor, stamme gebürtig aus Lengerich und sei ein Neffe von Moses Kaufmann aus Ibbenbüren. Er versprach, seinen Eltern die Nachricht vom Überleben ihres Sohnes und einen Brief für sie zu überbringen, da er in der nächsten Zeit nach Tecklenburg versetzt werde. Im Oktober 1945 sprach er dann bei meiner Familie vor, sich gewissermaßen durch ein Bild des Sohnes ausweisend, nachdem er sich zuvor bei Julchen Lause über das Verhalten meiner Familie erkundigt hatte. Der Neffe von Moses Kaufmann blieb uns als ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Mensch in Erinnerung.[3]

Deportation und Tod[Bearbeiten]

Die im KZ Theresienstadt ausgestellte Todesurkunde
Julius Kaufmann wurde am 26. Juni 1937 nach Köln[4], von dort aus 1941 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort wurde er im Gebäude L122 untergebracht und am 12. Juli 1942 ermordet.

Einzelverweise[Bearbeiten]

  1. http://www.scant.de/Vereinschronik.htm
  2. Freund, Susanne; Franz-Josef Jakobi; Peter Johanek, Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe, Band 1, S. 419
  3. 3,0 3,1 http://alt.heiligkreuz.info/gemeinde/_upload/211.pdf
  4. http://www.museenkoeln.de/ns-dokumentationszentrum/default.aspx?s=1214&id=3243&buchstabe=K