Otto Ehlers: Unterschied zwischen den Versionen

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(Kontroverse mit Landrat Dr. Hermann Schultz und Versetzung nach Gelsenkirchen)
 
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'''Otto Ehlers''' war ein deutscher Finanzbeamter. Er baute in Ibbenbüren die NSDAP auf.
 
'''Otto Ehlers''' war ein deutscher Finanzbeamter. Er baute in Ibbenbüren die NSDAP auf.
  
== Aufbau der NSDAP in Ibbenbüren ==
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== Leben ==
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Otto Ehlers wurde als Finanzbeamter vom Finanzamt Herford nach Ibbenbüren<ref>Festschrift zum Kreistreffen der NSDAP
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des Kreises Tecklenburg am 26. April 1936 in Ibbenbüren; Bernhard Scholten, Ibbenbüren, Ibbenbüren 1936, 72 Seiten, s. http://www.stadtmuseum-ibbenbueren.de/stadtgeschichte_aufsaetze_47.htm</ref> wegen „nationalsozialistischer Umtriebe“ strafversetzt<ref name="klingsoehr">siehe "Manfred Klingsöhr referiert über die Ibbenbürener NSDAP", [[Ibbenbürener Volkszeitung]] vom 27. August 2018</ref>.
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=== Aufbau der NSDAP in Ibbenbüren ===
 
Der spätere Kreis-Betriebszellen-Kassenwart Hecker, der 1926 in die NSDAP eingetreten war, sah sich selbst als Gründer des NSDAP-Stadtverbandes in Ibbenbüren. Kreisamtsleiter Dormann befand allersdings erst 1928 als "Kampfzeit und Aufbauarbeit der Partei, als Otto Ehlers erste Mitstreiter angeworben hatte. <ref>Stefan Buchholz, Ibbenbüren 1933-1939. Aspekte nationalsozialistischer Herrschaft in einer Kleinstadt, in: Josef Bröker, 850 Jahre Ibbenbüren, Historischer Verein Ibbenbüren, 2., überarb. und erw. Aufl., 1997, S. 406</ref>
 
Der spätere Kreis-Betriebszellen-Kassenwart Hecker, der 1926 in die NSDAP eingetreten war, sah sich selbst als Gründer des NSDAP-Stadtverbandes in Ibbenbüren. Kreisamtsleiter Dormann befand allersdings erst 1928 als "Kampfzeit und Aufbauarbeit der Partei, als Otto Ehlers erste Mitstreiter angeworben hatte. <ref>Stefan Buchholz, Ibbenbüren 1933-1939. Aspekte nationalsozialistischer Herrschaft in einer Kleinstadt, in: Josef Bröker, 850 Jahre Ibbenbüren, Historischer Verein Ibbenbüren, 2., überarb. und erw. Aufl., 1997, S. 406</ref>
  
== Kontroverse mit Landrat Dr. Hermann Schultz und Versetzung nach Gelsenkirchen ==
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<blockquote>''Als „brutaler Kämpfer im Dienste des Nationalsozialismus“, sammelte er „eine Schar Halbwüchslinge, Unzufriedene und Unverantwortliche“ um sich, hieß es in einer Zeugenaussage aus seiner Entnazifizierungsakte.''<ref name="klingsoehr" /></blockquote>
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=== Kontroverse mit Landrat Dr. Hermann Schultz und Versetzung nach Gelsenkirchen ===
 
Otto Ehlers war der Drahtzieher hinter einer Diffamierungskampagne im Sommer 1933 gegen Dr. [https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Schultz_(Landrat) Hermann Schultz], der von 1921 bis 1935 Landrat in Tecklenburg war. Im Sommer 1934 setzte Ehlers den Bauern M. aus Recke unter Druck, der einen zur Ibbenbürener SS gehörigen Knecht wegen schlechter Arbeitsleistung entlassen hatte. Mit mehreren Männern erschien Ehlers auf dem Hof des Bauern und drohte diesem Konzentrationslager und den Verlust der "Bauernfähigkeit" an und forderte die Zahlung von 150 Reichsmark zur Anschaffung von Stahlhelmen an die SS. Als der Bauer der Forderung nicht nachkam, wurde dies der nächst höheren Instanz in Münster gemeldet. Nachdem die 19. SS-Standarte sich bei der Kreisbehörde nach der "Beleidigung" ihres Verbandes durch den Bauern erkundigte, bat Schultz um Vorschläge, die Angelegenheit anders zu regeln. Außerdem schrieb er:
 
Otto Ehlers war der Drahtzieher hinter einer Diffamierungskampagne im Sommer 1933 gegen Dr. [https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Schultz_(Landrat) Hermann Schultz], der von 1921 bis 1935 Landrat in Tecklenburg war. Im Sommer 1934 setzte Ehlers den Bauern M. aus Recke unter Druck, der einen zur Ibbenbürener SS gehörigen Knecht wegen schlechter Arbeitsleistung entlassen hatte. Mit mehreren Männern erschien Ehlers auf dem Hof des Bauern und drohte diesem Konzentrationslager und den Verlust der "Bauernfähigkeit" an und forderte die Zahlung von 150 Reichsmark zur Anschaffung von Stahlhelmen an die SS. Als der Bauer der Forderung nicht nachkam, wurde dies der nächst höheren Instanz in Münster gemeldet. Nachdem die 19. SS-Standarte sich bei der Kreisbehörde nach der "Beleidigung" ihres Verbandes durch den Bauern erkundigte, bat Schultz um Vorschläge, die Angelegenheit anders zu regeln. Außerdem schrieb er:
  

Aktuelle Version vom 27. August 2018, 21:56 Uhr

Otto Ehlers war ein deutscher Finanzbeamter. Er baute in Ibbenbüren die NSDAP auf.

Leben[Bearbeiten]

Otto Ehlers wurde als Finanzbeamter vom Finanzamt Herford nach Ibbenbüren[1] wegen „nationalsozialistischer Umtriebe“ strafversetzt[2].

Aufbau der NSDAP in Ibbenbüren[Bearbeiten]

Der spätere Kreis-Betriebszellen-Kassenwart Hecker, der 1926 in die NSDAP eingetreten war, sah sich selbst als Gründer des NSDAP-Stadtverbandes in Ibbenbüren. Kreisamtsleiter Dormann befand allersdings erst 1928 als "Kampfzeit und Aufbauarbeit der Partei, als Otto Ehlers erste Mitstreiter angeworben hatte. [3]

Als „brutaler Kämpfer im Dienste des Nationalsozialismus“, sammelte er „eine Schar Halbwüchslinge, Unzufriedene und Unverantwortliche“ um sich, hieß es in einer Zeugenaussage aus seiner Entnazifizierungsakte.[2]

Kontroverse mit Landrat Dr. Hermann Schultz und Versetzung nach Gelsenkirchen[Bearbeiten]

Otto Ehlers war der Drahtzieher hinter einer Diffamierungskampagne im Sommer 1933 gegen Dr. Hermann Schultz, der von 1921 bis 1935 Landrat in Tecklenburg war. Im Sommer 1934 setzte Ehlers den Bauern M. aus Recke unter Druck, der einen zur Ibbenbürener SS gehörigen Knecht wegen schlechter Arbeitsleistung entlassen hatte. Mit mehreren Männern erschien Ehlers auf dem Hof des Bauern und drohte diesem Konzentrationslager und den Verlust der "Bauernfähigkeit" an und forderte die Zahlung von 150 Reichsmark zur Anschaffung von Stahlhelmen an die SS. Als der Bauer der Forderung nicht nachkam, wurde dies der nächst höheren Instanz in Münster gemeldet. Nachdem die 19. SS-Standarte sich bei der Kreisbehörde nach der "Beleidigung" ihres Verbandes durch den Bauern erkundigte, bat Schultz um Vorschläge, die Angelegenheit anders zu regeln. Außerdem schrieb er:

Bezüglich des Truppenführers Ehlers bemerke ich, daß er such wiederholt unliebsam bemerkbar gemacht hat. Wo deshalb Veranlassung bestanden hätte, gegen ihn einzuschreiten, habe ich hiervon mit Rücksicht auf die SS abgesehen. Nach seinem Auftreten in dem Falle M. wäre aber eine weitere Zurückhaltung meinerseits pflichtwidrig. Es ist nunmehr aus Gründen der Staatsautorität unbedingt erforderlich, gegen Ehlers einzuschreiten. Ich würde es für zweckmäßig halten, wenn er seinen jetztigen Wirkungskreis verließem zbd sucg aks Steuersekretär an eine andere Finanzbehörde versetzen ließe. Geschähe dies, dann würde mir eine peinliche Situation erspart bleiben, den Ehlers von seiner Stellung als Amtsbeigeordneter zu entheben, die er nach dem Vorgefallenen unmöglich weiter bekleiden kann."

Nach einer Besprechung zwischen Regierungspräsident, Gauleitung und den "beteiligten Stellen" wurde Otto Ehlers nach Gelsenkirchen-Schalke versetzt[4]. Bis zum 30. Juni 1935 blieb Schultz Landrat im Kreis Tecklenburg, danach leitete er als Regierungsdirektor die Abteilung Landwirtschaft bei der Bezirksregierung Osnabrück.[5]

Einzelverweise[Bearbeiten]

  1. Festschrift zum Kreistreffen der NSDAP des Kreises Tecklenburg am 26. April 1936 in Ibbenbüren; Bernhard Scholten, Ibbenbüren, Ibbenbüren 1936, 72 Seiten, s. http://www.stadtmuseum-ibbenbueren.de/stadtgeschichte_aufsaetze_47.htm
  2. 2,0 2,1 siehe "Manfred Klingsöhr referiert über die Ibbenbürener NSDAP", Ibbenbürener Volkszeitung vom 27. August 2018
  3. Stefan Buchholz, Ibbenbüren 1933-1939. Aspekte nationalsozialistischer Herrschaft in einer Kleinstadt, in: Josef Bröker, 850 Jahre Ibbenbüren, Historischer Verein Ibbenbüren, 2., überarb. und erw. Aufl., 1997, S. 406
  4. Stefan Buchholz, Ibbenbüren 1933-1939. Aspekte nationalsozialistischer Herrschaft in einer Kleinstadt, in: Josef Bröker, 850 Jahre Ibbenbüren, Historischer Verein Ibbenbüren, 2., überarb. und erw. Aufl., 1997,, S. 411f.
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Schultz_(Landrat)#Leben