Alex Löwenstein

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Paula (geboren als Paula Meier am 13. Juli 1877 in Grevenbroich, gestorben 1941 in Tel Aviv) und Alex Löwenstein

Alexander "Alex" Löwenstein (geboren am 14. Januar 1873 in Ibbenbüren, gestorben am 3. Dezember 1964 in Tel Aviv) war ein deutscher Lehrer und Vorbeter. [1]

Leben[Bearbeiten]

Alexander Löwenstein stammte aus dem westfälischen Ibbenbüren, wo er im Jahre 1873 geboren wurde. Schon während seiner Schulzeit stand fest: seine Leidenschaft galt seiner jüdischen Religion. Mit 15 Jahren begann er eine Lehre als Religionslehrer und Vorbeter an der Marks-Haindorffschen Stiftungsanstalt in Münster - dem jüdischen Lehrerseminar für das Rheinland und Westfalen. In den letzen Jahren seiner sechsjährigen Ausbildung betätigte er sich bereits in der jüdischen Gemeinde Münster, die ihm beschied, dass seine Leistungen "durchaus befriedigend" und er anderen Gemeinden "bestens empfohlen" werden könne. Nach einer ersten dreijährigen Tätigkeit in der Gemeinde Gütersloh nahm er eine Stelle in der jüdischen Gemeinde Grevenbroich an, die ihn im Oktober 1896 als Religionslehrer und Vorbeter in der Grevenbroicher Synagoge auf der Kölner Straße Nr. 26 anstellte. Bald erfreute er sich eines so ausgezeichneten Rufes, dass er auch in Frimmersdorf, Bedburg, Hülchrath, Hemmerden und Bedburdyck aushalf. Der Religionsunterricht fand - meistens am Sonntag morgen - in der evangelischen Volksschule statt, zu seinen Aufgaben gehörte es auch, die für die "Bar-Mitzwah" bestimmten Jungen auf ihren ersten Auftritt in der Synagoge vorzubereiten.

Familiengründung und wirtschaftlicher Erfolg
Innerhalb weniger Jahren hatte Alexander Löwenstein sich in der Gemeinde etabliert. Im Oktober 1900 heiratete er die in Grevenbroich im Jahre 1877 geborene Paula Meier, deren Eltern seit den 1870er Jahren in Grevenbroich heimisch waren und deren Mutter nach dem Tod des Vaters im Elternhaus auf der Kölnerstraße Nr. 10 das Kurz-, Weiß- und Wollwarengeschäft "Wwe Hermann Meier" sowie einen Alteisenhandel - im wesentlichen den An- und Verkauf des Eisenabfalls der Grevenbroicher Maschinenfabrik - führte. Das Ehepaar Löwenstein lebte in dem Haus auf der Kölnerstraße, wo die Kinder Hermann (1901), Ludwig (1903), Henriette (1905) und Ilse (1910) geboren wurden. Als Vorbeter und Lehrer war Alexander Löwenstein liberal eingestellt. Gottesdienste wurden in Grevenbroich am Freitag Abend und am Schabbat sams- tags morgens und abends abgehalten. Der Haushalt wurde selbstverständlich koscher geführt, aber das Geschäft war auch an diesem Tag geöffnet und die Kinder besuchten die Schule.

Nach dem Krieg: Jüdischer Jugendbund in der Weimarer Republik
Als Anfang August 1914 der Weltkrieg ausbrach, wurde auch Alexander Löwenstein zu den Waffen gerufen. Am 5. August 1914 wurde wie in vielen Gotteshäusern Grevenbroichs auch in der Synagoge ein Bittgottesdienst abgehalten. Alexander Löwenstein wurde nach Elsenborn einberufen und kurze Zeit später in die Karpathen versetzt. Der Neusser Kantor Benno Nussbaum unterrichtete während dieser Zeit die jüdische Jugend bis Alexander Löwenstein aus dem Krieg heimkehrte. In der Weimarer Zeit feierte er am 1. Oktober 1921 seine 25-jährige Tätigkeit in der jüdischen Gemeinde. Kurze Zeit später gab er seine Tätigkeit auf und stieg in das Geschäft seiner Schwiegermutter ein. Der jüdischen Gemeinde blieb er lange Zeit als Vorsitzender der Repräsentantenversammlung erhalten. Sein ältester Sohn Ludwig studierte Rechtswissenschaften in Köln, Bonn und Freiburg, promovierte im Jahr 1928 und betätigte sich als Rechtsanwalt am Oberlandesgericht in Düsseldorf. Grevenbroich blieb er treu und gründete einen jüdischen Jugendverein, der in der Zeit der Weimarer Republik ein lebendiges Vereinsleben weit über die Grenzen der Stadt Grevenbroich hinaus entwickelte. Während sein Vater sich seiner Heimatstadt und Deutschland tief verbunden fühlte, begeisterte sich Ludwig Löwenstein schon in der Studienzeit für die zionistische Bewegung. Diese teilte er mit seiner späteren Frau Hanna David, deren Bruder Josef David auf der Breitestraße Nr. 24 ein Handarbeitsgeschäft betrieb, das er von Frieda Cohn übernommen hatte. Josef David freundete sich mit Henriette Löwenstein an und heiratete diese im Jahr 1930. In Grevenbroich wurden in den beiden folgenden Jahren die beiden Kinder Mirjam und Walter David geboren. Ludwig und Hanna verzogen im Jahr 1932 nach Düsseldorf, wo sie heirateten und ihre Tochter Ruth geboren wurde. Hermann Löwenstein versuchte sich in Berlin als Schauspieler, Ilse Löwenstein betätigte sich im elterlichen Weißwarengeschäft auf der Kölnerstraße. Alexander Löwenstein konnte stolz auf seine Familie sein. Mit seiner Frau war er geschäftlich etabliert und ein angesehener Bürger seiner Stadt, die Kinder hatten sich eigene Existenzen aufgebaut und die Enkel konnten einer verheißungsvollen Zukunft entgegensehen. Berufsverbot im Zuge der Machtergreifung und zionistische Emigration nach Palästina Doch mit der Machtergreifung Hitlers verdunkelte sich das Bild. Insbesondere Ludwig Löwenstein litt von Anfang an unter dem neuen Regime. Unmittelbar nach der Machtergreifung verweigerte man ihm im Zuge des Boykottaufrufes am 1. April 1933 als Anwalt den Zutritt zum OLG Düsseldorf, bald darauf wurde gegen ihn "wegen nicht-arischer Abstammung" ein Berufsverbot verhängt. Als Zionisten hatten Ludwig und Hanna Löwenstein keine Probleme, ihrer Heimat den Rücken zu kehren und noch 1933 nach Palästina zu emigrieren. Auch die Familie David, ebenfalls zionistisch eingestellt, emigrierte im Jahr 1935 nach Palästina, nachdem die antisemitischen Verfolgungsmaßnahmen und der Boykott jüdischer Geschäfte zunahmen. 1936 emigrierte der Sohn Hermann Löwenstein nach Südafrika.

Anders Alexander Löwenstein: Er fühlte sich trotz des nationalsozialistischen Regimes seiner Heimat verpflichtet und lehnte es sogar ausdrücklich ab, seinem Sohn Ludwig durch eine finanzielle Unterstützung mittels eines "Kapitalistenzertifikates" die Emigration nach Palästina zu ermöglichen. Seine früheren Grevenbroicher Nachbarn, die jetzt Anhänger der nationalsozialistischen Weltanschauung waren, dankten es ihm nicht. Nachdem das Ehepaar Löwenstein 1936 ihre Kinder in Palästina besucht hatten, wurden im Sommer und Herbst 1936 mehrfach die Fensterscheiben des Geschäftes auf der Kölner Straße eingeworfen. Schließlich gab das Ehepaar Löwenstein auf, verkaufte das Geschäft und wanderte im Jahr 1937 nach einem kurzen Aufenthalt in Köln ebenfalls nach Palästina aus. Tragischerweise starb die Tochter Ilse im gleichen Jahr, nachdem sie zuvor als Touristin mit nach Palästina gekommen war, aber nach Deutschland zurückkehren musste, um ihre legale Auswanderung zu betreiben.

Leben in der Emigration und Wiederannäherung an Deutschland
Die gesamte Familie Löwenstein musste sich in Palästina vollkommen neu orientieren. Das unter britischem Mandat stehende Besatzungsgebiet war unwirtlich und mit dem europäischen Lebensstil nicht zu vergleichen. Ludwig Löwenstein musste beispielsweise als Arbeiter und Schlosser neu anfangen, stand in Diensten der britischen Armee und machte schließlich Karriere als Leiter eines Zementwerkes. Paula Löwenstein verstarb im Jahr 1941, ihr Mann Alex Löwenstein 1964 im "Elternheim der Vereinigung deutscher Auswanderer", in dem er bis zuletzt auch als Vorbeter tätig war. Dr. Ludwig Löwenstein unterstützte nach dem Krieg die Wiedergutmachungsverfahren ehemaliger Grevenbroicher und stand in Kontakt mit der Stadt Grevenbroich, um die Schicksale der ehemaligen Grevenbroicher zu erforschen. Bis in die neunziger Jahre besuchte er öfters Grevenbroich, bevor er in Palästina verstarb. Einige Familienmitglieder der Familie Löwenstein-David kehrten zurück und beantragten die Wiedereinbürgerung nach Deutschland.

Einzelverweise[Bearbeiten]