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Erich Gabiersch

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Erich Gabiersch (geboren am 17. Oktober 1894 in Ottmachau, Todesdatum unbekannt) war ein deutscher Kaufmann[1], Wirtschaftsprüfer, Kameradschaftsführer des Stahlhelm, Obersturmführer der SA[2] und Politiker (DNVP, NSDAP[3], Gesamtdeutscher Block).

Erich Gabiersch wurde am 17. Oktober 1894 in Ottmachau geboren. Er besuchte das Realgymnasium zu Ratibor.[4] Er war Teilnehmer am 1. Weltkrieg und wurde 1917 vermisst.[5] Er besuchte von 1920 bis 1924 die Universitäten Göttingen und Breslau ohne Abschluss. In Göttingen war er Mitglied der Studentenburschenschaft Alemannia. Er wurde Mitglied der DNVP. 1924 heiratete er und wurde Vater von mindestens zwei Kindern. Von 1925 bis 1926 und von 1932 bis 1934 war er Kameradschaftsführer beim Stahlhelm. In Breslau bestand er 1937 die Prüfung zum Buch- und Betriebsführer. 1934 wurde er als Stahlhelm-Mitglied in die SA-Reserve als Obersturmführer überführt und war ab 1937 Anwärter einer Mitgliedschaft der NSDAP.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde er in den Devisenstellen Breslau (1936-1938) unter Reichsbankrat Albrecht und Troppau (1938-1942) unter Herbert Reischauer als leitender Devisenprüfer eingesetzt. Mitte 1937 wurde er wegen Kritik am Gauleiter Josef Wagner inhaftiert. Er war danach bis August 1944 als Wirtschaftssachverständiger in Kattowitz unter dem Reichskommsisar für die Preisbildung, Hans Fischböck, dem Nachfolger von Josef Wagner auf dieser Position, tätig.[6] 1940 wurde ihm nach eigenen Angaben seine Anwärterkarte zur NSDAP abgenommen, weil er wegen Beleidigung von Parteifunktionären und abfälliger Kritik gegen Parteimaßnahmen angeklagt war.

Entnazifizierungsverfahren

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Der Entnazifizierungsausschuss in Münster kam in Garbierschs Entnazifizierungsverfahren am zum Schluss, dass seine Differenzen zur NSDAP während des Nationalsozialismus nicht als Gegnerschaft zur Ideologie des Nazismus bezeichnet werden könne und verbot ihm eine Anstellung als Wirtschaftsprüfer.

Der Berufungsausschuss zu seiner Entnazifizierung kam am 5. Juni 1948 allerdings zum Schluss, dass eine Gegnerschaft zum politischen System durchaus angesehen werden könne. Gabiersch sei für politisch Verfolgte, die jüdischen Bürger und Firmen J. Schwerin & Söhne in Breslau, den Privatsekretär Schwarz des Besitzers von J. Schwerin und Söhne, das Seiden- und Samtgeschäft Hecht & David[7] und Louis Lewy[8], eingetreten.

Durch sein energisches Eintreten erreichte es Herr G. tatsächlich, daß die von der Gauleitung angeordnete Verhaftung [Erich Schwerins] unterblieb.[2]

Firmeninhaber Ernst Schwerin emigrierte 1938 in die USA.

Auch habe Erich Gabiersch die Firma Pollak[9] in Hilbetten vor einer Teilergreifung durch die Schwester Adolf Hitlers, Angela Hammitzsch, bewahrt:

Anlässlich einer Devisenprüfung im Jahre 1940 bei der Firma Pollack, Hilbetten/Sudetenland hatte Gabiersch vertraulich erfahren, dass die Frau Angela Hammitsch, - Schwester Adolf Hitlers - der Firma eine Beteiligung mit etwa 2 000 000.-- RM über den Sonderbeauftragten für die Textilwirtschaft aufzwingen wollte. Obwohl diese Feststellung völlig außerhalb der ihm übertragenen Prüfungsaufgabe lag, griff Gabiersch den Fall sofort auf und verwahrte sich in einem Bericht an den Reichswirtschaftsministert und an den zuständigen Regierungspräsidenten aufs schärfste gegen derartige Geschäfte unter Ausnutzung politscher Positionen. Bei der Person der Frau Hammitsch war dieser Schritt ein ausserordentlich gefährliches Wagnis. Wider alles Erwarten ist es damals Gabiersch gelungen, die Absichten der Schwester Adolf Hitlers zu vereiteln.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog Gabiersch zunächst nach Schale, dann nach Ibbenbüren, wo er sich ab 1948 federführend bis 1953[10] für den Bund der Vertriebenen engagierte. In Unkenntnis der Entnazifizierungsakte von Erich Gabiersch wurde er 1949 beim Amt Ibbenbüren als Wirtschaftsprüfer eingestellt.[11] Am 28. November und 12. Dezember 1949 stellte die Amtsverwaltung Fragen zu Ergebnissen des Entnazifizierungsberufungsausschusses in Münster.[2] In Ibbenbüren wurde Gabiersch Mitglied der Partei Gesamtdeutscher Block und wurde von dieser als Bundestagskandidat aufgestellt.[12]

  1. Archiwum Państwowe we Wrocławiu Oddział w Kamieńcu Ząbkowickim , Akte 84/635/0/1.1.1/85402; online: https://www.szukajwarchiwach.gov.pl/de/web/guest/jednostka/-/jednostka/37597704?refererPlid=20136
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Entnazifizierungsakte zu Ernst Gabiersch; online: https://dfg-viewer.de/show?tx_dlf%5Bdouble%5D=0&tx_dlf%5Bid%5D=https%3A%2F%2Fwww.landesarchiv-nrw.de%2Fdigitalisate%2FAbt_Rheinland%2FNW-Bestaende%2FNW_1039-G%2F~018%2FNW_1039-G-01854%2Fmets.xml&tx_dlf%5Bpage%5D=9&cHash=8ab1328d73a01a7c12e8c58f68bddae5
  3. Mitgliederkartei der NSDAP zu Erich Gabiersch; online: https://www.zeit.de/wissen/2026-04/nsdap-mitgliederkartei-karteikarten-familienmitglieder-suche?freebie=be918dd0#mfok-f0025-1430
  4. Eduard Knape, Realgymnasium zu Ratibor. Bericht über das Schuljahr Ostern 1913 bis Ostern 1914; online:https://sbc.org.pl/Content/857301/iii564311-1913_1914-00-0001.pdf
  5. Artikel Auszug aus dem amtlichen Verlustenlisten in der Ausgabe der Zeitung Grottkauer Kreisblatt vom 18. September 1917; online: https://www.sbc.org.pl/Content/679725/PDF/ii269060-1917-37-0001.pdf?handler=pdf
  6. Personalseite zu Erich Gabiersch im Bundsarchiv; online: https://www.archivportal-d.de/item/4TMQS2RTBOVTMR4MZUQNVDW4M3QII3PK, https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/main.xhtml
  7. s. https://memoryofvanishedurbanpopulations.wordpress.com/wp-content/uploads/2014/11/bl-4-interwar-wroclaw-concl-19-nov-2014-compressed.pdf; https://memoryofvanishedurbanpopulations.wordpress.com/wp-content/uploads/2014/11/what-is-to-be-remembered-built-environment-before-ww2-compressed1.pdf
  8. Möglicherweise der Hausbesitzer Louis Lewvy aus Breslau, s. https://www.juergen-reichmann.de/europa/pl/breslau_1_altstadt_1/1406221/
  9. Foto der Fabrik Pollak: http://schoenhengstgau.eu/archiv/b/lkr/hilbetten/hilbetten-pollakfabrik.1.g.jpg
  10. Artikel Erich Gabiersch nahm Abschied von seinen Landsleuten in der Ausgabe der Zeitung Ibbenbürener Volkszeitung vom 29. Mai 1953
  11. Artikel Wir gratulieren! in der Ausgabe der Zeitung Ibbenbürener Volkszeitung vom 18. Juni 1949 ("Der Kreisvorsitzende der Gemeinschaft der Ostvertriebenen, Herr G a b i e r s c h und Frau, Münsterstraße 22, feierten das Fest ihrer Silberhochzeit. Herr Garbiersch ist Mitglied des Kreistages und der Stadt- und Amtsvertretung Ibbenbüren."
  12. Ausgabe der Zeitung Ibbenbürener Volkszeitung vom 3. September 1953