Kurt Gebigke
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Kurt Rudolf Gebigke (geboren am 18. Juli 1898 in Sangerhausen[1], gestorben am 19. November 1977 in Ibbenbüren[2]) war ein deutscher Amtsbauinspektor, langjähriger Leiter des Ibbenbürener Bauamts und Mitglied in der NSDAP und SA[1].
Kurt Gebike besuchte die Mittelschule in Sangerhausen von 1904 bis 1907. Danach besuchte er die Oberrealschule in Erfurt bis 1914. Mit Kriegsunterbrechung besuchte er danach die Baugewerkschule in Erfurt und schloss diese im August 1920 mit dem Reifezeugnis der Tiefbauabteilung ab. Eine Maurergesellenprüfung bestand er im Frühjahr 1919 in Erfurt, eine Maurermeisterprüfung im Juni 1921 in Darmstadt. 1923 trat er als Amtsoberbausekretär in den Dienst des Amtes Ibbenbüren. 1925[1] heiratete er Maria Hövel[3]. Beide lebten in Ibbenbüren an der Adresse Brunnenstraße 13. In Ibbenbüren wurde er Mitglied des Pioniervereins.[4] Im Oktober 1933 trat er der SA bei. Am 1. Mai 1937 trat er der NSDAP bei. Des Weiteren war er Mitglied des Reichsbundes der deutschen Bamten, der NSV, des NS-Reichskriegerbundes und des Reichsluftschutzbundes. Vom 20. April 1943 bis zum 27. Dezember 1944 war er Gefreiter und Unteroffizier bei der Wehrmacht, zuständig für bauliche Unterhaltung der Unterkünfte und Luftschutz, zunächst unter Rudolf Müller, danach unter Oberstleutnant Schindler.[1]
Pogrom 1938 in Ibbenbüren
Bearbeiten Quelltext bearbeitenDer Brandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Kurt Gebigke verfasste den folgenden Bericht über die Anweisung von Rudolf Müller[5] während des Pogroms in Ibbenbüren am 10. November 1938:
Am 10. November d.J. wurde der 2. Halbzug der Freiwilligen Feuerwehr Ibbenbüren durch den Herrn Amtsbürgermeister alarmiert mit der Anweisung, die in Brand stehende Synagoge ausbrennen zu lassen und die benachbarten Wohnhäuser in Feuerschutz zu nehmen. Beim Eintreffen an der Brandstelle um 10:30 Uhr wurde das gesamte Innere der Synagoge brennend vorgefunden, der Putz fiel von den Wänden. Die vorhandene Rabbitzdecke schützte das Dach. An 2 Stellen wurden die Seitenstiele des Dachstuhls vom Feuer ergriffen, das jedoch im Dachstuhl nur schmorte. Um 18:00 Uhr wurde die Stellung einer Brandwache angeordnet, die bis 8:30 Uhr des folgenden Tages stehen sollte. Das ist geschehen. [...]
Entnazfizierung
Bearbeiten Quelltext bearbeitenVom Entnazifizierungsausschuss Münster wurde Kurt Gebigke am 3. August 1949 in die Kategorie V eingestuft:
Der Betroffene trat im Oktober 1933 der SA-Reserve bei. Er hatte als Beamter des Bauamtes in Ibbenbüren Verfolgungen seitens der Mitglieder zu erdulden. Um diesen zu entgehen, trat er der SA-Reserve bei, da er dies als das kleinere Übel ansah. In der SA wurde er wegen Interessenlosigkeit nicht befördert. Im Oktober 1937 wurde er zwangsläufig in die Partei übernommen. Er blieb hier Parteianwärter und erhielt kein Parteibuch. Innerlich stand er der Partei und ihren Zielen völlig fern. Das Krankenhaus in Gravenhorst nahm er gegen schwere Angriffe namhafter Partei- und SS-Mitglieder anlässlich einer Bauangelegenheit in Schutz. Dies bezeugt der Rektor Heymann (Anl. 6) Innerhalb der Bevölkerung in Ibbenbüren erfreute er sich der größten Beliebtheit, obwohl er niemals in SA-Uniform auftrat. Auch zum Dienst als Feuerwehrmann trat er nicht in SA-Uniform an, obwohl dies angeordnet war. Seine Ablehnung der NSDAP und ihrer Ziele brachte er wiederholt zum Ausdruck. Dieses bekundet der Städt. Angestellte Franz Heilemann (Bl.9). Schliesslich wurde er zum Militär eingezogen, um einem Aktivisten Platz zu machen. (Anl.10) Von dem Sturm auf die Synagoge hat er sich fern gehalten. (Bl. 15)Beim Aufbau der zerstörten Wohnung eines Juden hat er tätig mitgewirkt. Hierdurch hat er Widerstand gegen die Ziele der Parteil geleistet.
Er war ein treuer Katholik und infolge seiner religiösen Bindungen ein Feind der Partei.
Da er innerhlich ein Nazigegner war und den Zielen der Partei aktiven Widerstand entgegengesetzt hat, war er in Kategorie V einzustufen.
gez. Rettig gez. Köster gez. Dr. Friedersdorff gez. Pelster[6]
Trivia
Bearbeiten Quelltext bearbeiten1955 bilde seine Frau Maria mit Georg Schröer das Königspaar des Bürgerschützengesellschaft Ibbenbüren.
Einzelverweise
Bearbeiten Quelltext bearbeiten- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Entnazifizierungsakte zu Kurt Gebigke, s. https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/TVIOLDTZNBKIUPFQHG5MATNTVJWB4PKK?isThumbnailFiltered=true&query=entnazifizierung+Gebigke+&rows=20&offset=0&viewType=list&hitNumber=1
- ↑ s. Todesanzeige zu Kurt Gebifke in der Ausgabe der Ibbenbürener Volkszeitung vom 21. November 1977
- ↑ s. Todesanzeige zu Maria Hövel in der Ausgabe der Ibbenbürener Volkszeitung vom 15. Juni 1963
- ↑ Ausgabe der Zeitung Tecklenburger Kreisblatt vom 28. April 1931, s. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/16257756?query=Gebigke
- ↑ http://wiki-de.genealogy.net/Ibbenb%C3%BCren/Synagoge_in_Ibbenb%C3%BCren
- ↑ Mitteilung des Entnazifizierungsausschusses Münster vom 29. August 1949, s. https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/63M4VWMSJ6YUKVQ5O3X5VESVS33J5UQC?isThumbnailFiltered=true&query=Entnazifizierung+gebigke&rows=20&offset=0&viewType=list&hitNumber=3