Zwangsarbeit in Ibbenbüren in der Zeit des Nationalsozialismus
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Zwangsarbeit in Ibbenbüren in der Zeit des Nationalsozialismus war Arbeit, die zwischen 1933 und 1945 von deutschen Dienststellen und Betrieben mit nicht-wirtschaftlichem Zwang und unter Androhung von Strafe insbesondere von ausländischen Arbeitskräften verlangt wurde. Eine genauere Analyse findet sich im Wikipedia-Artikel Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus. In Ibbenbüren wurden Zwangsarbeiter in kleineren Betrieben, den Steinkohlewerken und in Lagern erzwungen.
Zwangsarbeit in Steinkohlebergwerken
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Die Ibbenbürener Steinkohlenbergwerke forderten ab 1942 Zwangsarbeiter an.[1] Diese erbrachten allerdings durch körperliche Schwächung, schlechte Ernährung und ohne Ausbildung eine weniger ertragsreiche Arbeitsleistung als angestellte Bergleute.
1944 zählten zur Belegschaft des zur Preußag gehörenden Steinkohlekraftwerks nahezu 1700 Zwangsarbeiter.[2]
Zum Ende des Krieges war jeder zweite Arbeiter im Bergwerg ein Zwangsarbeiter: Insgesamt befanden sich im April 1945 1810 sowjetische Kriegsgefangene, 251 sowjetische Zivilarbeiter und 87 sonstige Ausländer unter den Bergarbeitern.[3] Diese wurden in den Kriegsgefangenenlagern "Theodorschacht", "Püsselbüren", "Oeynhausen-Ost", "Oeynhausen-Nord" und "Marianne" festgehalten.
- Die Zeitung "Neues Deutschland" veröffentlichte am 16. November 1999 eine Liste von 2500 Firmen[4], die an der Ausbeutung von Zwangsarbeiter/-innen beteiligt waren. Aufgelistet werden auch die Preußag AG, die Preußische Bergwerks- und Hütten AG und die Zeche Mathilde[5].
- Am 29. September 1942 wurde den Wachleuten des Bergwerks ein Verbot seitens des Bergwerks auferlegt, Lebensmittelmarken an ausländische Arbeitskräfte abzugeben[6]
- Am 26. Oktober 1943 besuchte Oberstleutnant Heinrich Goedecke die Kriegsgefangenenlager der Steinkohlenbergwerke.[7]
In der Steinkohlegrube Mieke, die zu Crespel & Deiters[8] gehörte, arbeiteten 26 Zwangsarbeiter.[2] In den Unterlagen der Firma Crespel & Deiters finden sich keine Informationen zu Zwangsarbeitern.[9]
Namentlich bekannte Zwangsarbeiter
Bearbeiten Quelltext bearbeiten- Klaas van den Berg, niederländischer Staatsbürger
- Wilhelm van der Schaaf, niederländischer Staatsbürger[10]
Misshandlungen sowjetischer Kriegsgefangener und die Ermordung eines sowjetischen Zwangsarbeiters bei der Preußag
Bearbeiten Quelltext bearbeitenClemens Attermeier berichtete in der Ibbenbürener Volkszeitung vom 13. August 1991[11] über Misslandlungen sowjetischer Kriegsgefangener bei der Preußag, die zu Strafen auf Prellböcke geschnallt und mit Gummischlagstöcken verprügelt wurden:
Die Schläge müssen fürchterlich gewesen sein. Vor dem Wort "Gumma" hatten die furchtbare Angst.
Beistand von den angestellten Bergarbeitern hatten sowjetische Kriegsgefangene nicht zu erwarten:
Die Kumpels haben sich nur angeguckt und nichts gesagt, da war auch unter ihnen so viel Angst. Ein verkehrtes Wort und es hieß: "Paßt dir die Uniform nicht, kannst du auch eine andere kriegen. [...] Aus lauter Angst hat keiner was gesagt, einer traute dem anderen nicht. Erst nach dem Krieg konnte darüber gesprochen werden.
Der auf der Preussag-Zeche „von Oeynhausen“ angestellte Bergmann Walter Riechel machte seinen Unmut über die Behandlung eines sowjetischen Zwangsarbeiters kund, kam dafür in das Konzentrationslager Neuengamme und starb wahrscheinlich bei der Versenkung der Cap Arcona.
Zumindest ein sowjetischer Zwangsarbeiter wurde nach dem Vorwuf der Sabotage erhängt. Ein weiterer beging Suizid.[2]
Zwangsarbeit in Firmen
Bearbeiten Quelltext bearbeitenIm von August Wehmeyer gegründeten Unternehmen Wehmeyer arbeiteten ukrainische Zwangsarbeiter.[12]
Bei der Firma Keller in Laggenbeck wurden Zwangsarbeiter eingesetzt. Dokumente hierzu finden sich nicht mehr im Archiv der Firma.[13]
Zwangsarbeit in Lagern
Bearbeiten Quelltext bearbeitenIm Sonderlager 1750 wurden sowjetische, vorrangig ukrainische Männer, sowie Einheimische festgehalten und zu Zwangsarbeit gezwungen.
Im von Edmund Geilenberg zu verantwortenden Geheimprojekt Zeolith wurden festgenommene ausländische Soldaten und KZ-Gefangene zu Zwangsarbeit gezwungen.
Ermordete Kinder von Zwangsarbeiterinnen
Bearbeiten Quelltext bearbeitenIn Ibbenbüren wurden Kinder von Zwangsarbeiterinnen, so genannter Ostarbeiterinnen, geboren. Auf der Seite zwangsarbeiter-in-der-kirche.de wird ihr Schicksal so beschrieben:
Bis 1943 wurden schwangere »Ostarbeiterinnen« abgeschoben. Doch das NS-Regime fürchtete, zu viele Frauen könnten diese Regelung »missbrauchen«. So ordnete Reichsärzteführer Conti die Straffreiheit für Abtreibungen bei »Ostarbeiterinnen« bis zum 5. Monat an, wenig später auch für Polinnen. Viele Frauen wurden – oft auf grausame Weise – zur Abtreibung gezwungen. Blieb die Schwangerschaft von den Behörden zu lange unbemerkt, mussten die Schwangeren weiterarbeiten – bis die Wehen einsetzten. Unter menschenunwürdigen Bedingungen, häufig in dreckigen Entbindungsbaracken, brachten sie ihre Kinder zur Welt, die man ihnen meist sofort wegnahm. Die Säuglinge wurden in »Kinderpflegestätten« regelrecht zusammengepfercht, wo die Mütter sie nur selten sehen durften. Seitens der NS-Machthaber herrschte keine Einigkeit darüber, ob man den Nachwuchs der Osteuropäerinnen sterben lassen oder aufziehen sollte. Viele Kinder kamen zu Tode. Bei etlichen Frauen führten die Umstände, unter denen sie abtreiben oder entbinden mussten, dazu, dass sie später keine Kinder mehr bekommen konnten.[14]

In Kinder, die nicht zählten. Ostarbeiterinnen und ihre Kinder im Zweiten Weltkrieg listet Gisela Schwarze auch Kinder auf, die in Ibbenbüren geboren wurden oder dort starben:
Nikolay Omylschuk (wahrscheinlich: Omelchuck, kyrillisch Николай Омельщук, geboren am 15. September 1943 in Waltrop, ermordet am 7. Dezember 1943 in Ibbenbüren)
Lydia Ossatscha (kyrillisch Лидия Оссача, geboren am 16. Oktober 1943 in Waltrop, ermordet am 30. Januar 1945 in Ibbenbüren)
Juri Asarionak (kyrillisch Юрий Асарионак, geboren am 13. November 1943 in Waltrop, ermordet am 31. Dezember 1944 in Ibbenbüren)
Margarete Schopotschkin
Anna Nowohatnia (kyrillisch Анна Новохатния, geboren am 31. Mai 1945 in Ibbenbüren, gestorben am 8. Juli 1945 in Ibbenbüren) [15]
Wegen der in Ibbenbüren verstorben Kinder wird die Existenz einer Einrichtung für Kinder von Zwangsarbeiterinnen[16] in Ibbenbüren vermutet[17].
Die in Waltrop geborenen Kinder sind wahrscheinlich alle im Entbindungslager für Ostarbeiterinnen geboren worden. Die in Lengerich verstorbenen Kinder wurden alle auf dem katholischen Friedhof in Lengerich beerdigt.
Rettung von 70 bis 80 Zwangsarbeitern durch Hans Köhne
Bearbeiten Quelltext bearbeitenAls im Frühjahr 1945 das britische Militär sich Ibbenbüren näherte, wurde von NSDAP-Kreisleiter Heinrich Knolle der Plan vorgestellt, 70 bis 80 Zwangsarbeiter, die in einer ehemaligen Schule am evangelischen Kirchplatz festgehalten wurden, in einen Bergwergsstollen zu jagen und diesen zu verschließen, da befürchtet, von ihnen ginge in der aktuellen Kriegssituation Gefahr aus. Der damalige Leiter der Polizeidienststelle Ibbenbüren Hans Köhne verhinderte die Umsetzung dieses Plans, indem er die Gefangen befreite und ihnen einen Fluchtweg aufzeigte.
Entschädigungszahlungen
Bearbeiten Quelltext bearbeitenEs gibt eine 2011 veröffentlichte Liste der Unternehmen, die in die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ zur Entschädigung von Zwangsarbeitern eingezahlt haben. Dies bedeutet nicht, dass diese Unternehmen Zwangsarbeiter beschäftigt haben.
Auf der Liste befinden sich die Ibbenbürener tätigen Unternehmen Preußag, Albert Bergschneider Bauzentrum GmbH und Kindermann GmbH.[18]
Einzelverweise
Bearbeiten Quelltext bearbeiten- ↑ Jens Adamski, Ausländische Zivilarbeiter und Kriegsgefangene bei den Ibbenbürener Steinkohlebergwerken im Zweiten Weltkrieg in Klaus Tenfelde, Hans-Christoph Seidel, Arbeitseinsatz und Zwangsarbeit im Bergbau während des Ersten und Zweiten Weltkrieges, Band 1: Forschungen, Klartext Verlag, Essen, 2005, 638 Seiten, hier: S. 263-287, hier: S. 271
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Cornelia Ruholl, Zwangsarbeit auf dem Schacht, in der Ausgabe der Ibbenbürener Volkszeitung vom 16. Januar 2016
- ↑ Jahresbericht für das Jahr 1945, WA Ibb., Jahresberichte, S. 8
- ↑ http://www.ta7.de/txt/listen/list0024.htm, im Internetarchiv: https://web.archive.org/web/20110722162629/http://www.ta7.de/txt/listen/list0024.htm
- ↑ http://de.wikipedia.org/wiki/Westfeld_%28Ibbenb%C3%BCren%29#Wilhelmschacht.2C_Zeche_Mathilde
- ↑ Klaus Tenfelde, Hans-Christoph Seidel (Hrsg.) unter Mitarbeit von Jens Adamski, Zwangsarbeit im Bergwerk. Der Arbeitseinsatz im Kohlenbergbau des Deutschen Reiches und der besetzten Gebiete im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Bd. 2: Dokumente; Klartext, 2005, S. 602
- ↑ Klaus Tenfelde, Hans-Christoph Seidel (Hrsg.) unter Mitarbeit von Jens Adamski, Zwangsarbeit im Bergwerk. Der Arbeitseinsatz im Kohlenbergbau des Deutschen Reiches und der besetzten Gebiete im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Bd. 2: Dokumente; Klartext, 2005, S. 325
- ↑ dies wird nahegelgt durch die Bezeichnung Arbeit in der Crespel & Deiters Steinkohlegrube „Mieke“ s. https://crespeldeitersgroup.com/de/milestone/von-weizen-kaese-und-kohle/, deren Mitbesitzer Hugo Deiters hatte sie seit 1921 gepachtet
- ↑ Karl-Peter Ellerbrock, Auf Stärke gebaut, Verlag Aschendorf Münster, 2008, S. 131
- ↑ https://www.nationaalarchief.nl/onderzoeken/archief/2.19.323/invnr/659/file/NL-HaNA_2.19.323_659_0012?eadID=2.19.323&unitID=659&query=
- ↑ Stephan Beermann, "Wir haben nur geguckt und nichts gesagt, da war so viel Angst!" in: Ibbenbürener Volkszeitung vom 13. August 1991
- ↑ Anzeige des Unternehmens Wehmeyer in: Josef Bröker, Annette Kleinert, Brigitte Rieping-Seibold (Red.), 850 Jahre Ibbenbüren, Ibbenbürener Studien, Band 3, 2. Auflage 1997, Ibbenbürener Vereinsdruckerei, S. 608
- ↑ Anfrage S.G.
- ↑ http://www.zwangsarbeit-in-der-kirche.de/ostarbeiter.php, Wikipedia-Link zu Leonardo Conti wurde hinzugefügt
- ↑ Gisela Schwarze, Kinder, die nicht zählten. Ostarbeiterinnen und ihre Kinder im Zweiten Weltkrieg, Klartext, 1997, S. 231)
- ↑ http://de.wikipedia.org/wiki/Entbindungslager_f%C3%BCr_Kinder_von_Ostarbeiterinnen
- ↑ http://www.birdstage.net/kgk/cgi-bin/search.cgi?v=37051
- ↑ http://www.verbrechen-der-wirtschaft.de/texte/0050_liste_zwangsarbeiter.htm