Henriette Kamenetzky: Unterschied zwischen den Versionen

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Henriette Löwenstein heiratete den aus Polen stammenden Salomon "Szaja" Kamenetzky (geboren am 9. Februar 1886 in Rotzko, Kreis [https://de.wikipedia.org/wiki/Hrodna Grodnow] (Polen)). Weil ihr Ehemann Salomon Kamenetzky nach 1918 nach Deutschland gekommen war und die polnische Staatsangehörigkeit besaß, fiel er unter das von Heydrich ausgesprochene Aufenthaltsverbot für polnische Juden. Deswegen wurde auch seiner deutschen Frau und der in Hameln geborenen Tochter Eva die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt<ref name="hameln" />. Die Eheleute hatten zwei Kinder, von denen nur der Sohn Hermann (geboren 1920) die Nazi-Herrschaft überlebte. Hermann konnte 1935 mit Hilfe der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kinder-_und_Jugend-Alijah Kinder- und Jugend-Alijah] nach Palästina ausreisen. Die Familie zog nach dem ersten Weltkrieg nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Hameln Hameln] und unterhielt ein kleines Schuhgeschäft in der Bahnhofstraße 40 (heute Nr. 14). Sie wohnte in einer bescheidenen, 43 qm großen Wohnung im Dachgeschoss in der Königstraße 37 (seit 1935 Nr. 2).<ref name="hameln">http://stolpersteine.geschichte-hameln.de/namenschicksale/26kamenetzky.php?name=kamenetzky</ref> Aufgrund des Boykotts jüdischer Kaufleute musste das Geschäft 1936 schließen.  
 
Henriette Löwenstein heiratete den aus Polen stammenden Salomon "Szaja" Kamenetzky (geboren am 9. Februar 1886 in Rotzko, Kreis [https://de.wikipedia.org/wiki/Hrodna Grodnow] (Polen)). Weil ihr Ehemann Salomon Kamenetzky nach 1918 nach Deutschland gekommen war und die polnische Staatsangehörigkeit besaß, fiel er unter das von Heydrich ausgesprochene Aufenthaltsverbot für polnische Juden. Deswegen wurde auch seiner deutschen Frau und der in Hameln geborenen Tochter Eva die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt<ref name="hameln" />. Die Eheleute hatten zwei Kinder, von denen nur der Sohn Hermann (geboren 1920) die Nazi-Herrschaft überlebte. Hermann konnte 1935 mit Hilfe der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kinder-_und_Jugend-Alijah Kinder- und Jugend-Alijah] nach Palästina ausreisen. Die Familie zog nach dem ersten Weltkrieg nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Hameln Hameln] und unterhielt ein kleines Schuhgeschäft in der Bahnhofstraße 40 (heute Nr. 14). Sie wohnte in einer bescheidenen, 43 qm großen Wohnung im Dachgeschoss in der Königstraße 37 (seit 1935 Nr. 2).<ref name="hameln">http://stolpersteine.geschichte-hameln.de/namenschicksale/26kamenetzky.php?name=kamenetzky</ref> Aufgrund des Boykotts jüdischer Kaufleute musste das Geschäft 1936 schließen.  
  
Am 27. Oktober 1938 meldete der Oberbürgermeister Hamelns anlässlich des [https://de.wikipedia.org/wiki/Polenaktion Aufenthaltsverbots für polnische Juden] dem Polizeipräsidium in Hannover:
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Am 27. Oktober 1938 meldete der Oberbürgermeister Hamelns, [https://de.wikipedia.org/wiki/Detlef_Schmidt_(B%C3%BCrgermeister) Detlef Schmidt], anlässlich des [https://de.wikipedia.org/wiki/Polenaktion Aufenthaltsverbots für polnische Juden] dem Polizeipräsidium in Hannover:
  
 
<blockquote>''„Die Eheleute und polnischen Staatsangehörigen Salomon Kamenetzky ... und Henriette Kamenetzky ... sowie deren Kind Eva ... sind zufolge Aufenthaltsverbots heute von mir in Abschiebungshaft genommen.“''<ref name="hameln" /></blockquote>
 
<blockquote>''„Die Eheleute und polnischen Staatsangehörigen Salomon Kamenetzky ... und Henriette Kamenetzky ... sowie deren Kind Eva ... sind zufolge Aufenthaltsverbots heute von mir in Abschiebungshaft genommen.“''<ref name="hameln" /></blockquote>

Version vom 29. November 2017, 12:55 Uhr

Henriette Kamenetzky (geboren am 5. Juli 1894 als Henriette Löwenstein in Ibbenbüren, gestorben 1942 im Vernichtungslager Treblinka) war eine deutsche Schuhverkäuferin.

Leben

Henriette Löwenstein heiratete den aus Polen stammenden Salomon "Szaja" Kamenetzky (geboren am 9. Februar 1886 in Rotzko, Kreis Grodnow (Polen)). Weil ihr Ehemann Salomon Kamenetzky nach 1918 nach Deutschland gekommen war und die polnische Staatsangehörigkeit besaß, fiel er unter das von Heydrich ausgesprochene Aufenthaltsverbot für polnische Juden. Deswegen wurde auch seiner deutschen Frau und der in Hameln geborenen Tochter Eva die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt[1]. Die Eheleute hatten zwei Kinder, von denen nur der Sohn Hermann (geboren 1920) die Nazi-Herrschaft überlebte. Hermann konnte 1935 mit Hilfe der Kinder- und Jugend-Alijah nach Palästina ausreisen. Die Familie zog nach dem ersten Weltkrieg nach Hameln und unterhielt ein kleines Schuhgeschäft in der Bahnhofstraße 40 (heute Nr. 14). Sie wohnte in einer bescheidenen, 43 qm großen Wohnung im Dachgeschoss in der Königstraße 37 (seit 1935 Nr. 2).[1] Aufgrund des Boykotts jüdischer Kaufleute musste das Geschäft 1936 schließen.

Am 27. Oktober 1938 meldete der Oberbürgermeister Hamelns, Detlef Schmidt, anlässlich des Aufenthaltsverbots für polnische Juden dem Polizeipräsidium in Hannover:

„Die Eheleute und polnischen Staatsangehörigen Salomon Kamenetzky ... und Henriette Kamenetzky ... sowie deren Kind Eva ... sind zufolge Aufenthaltsverbots heute von mir in Abschiebungshaft genommen.“[1]

Das Ehepaar Kamenetzky wurde anschließend mit der Tochter Eva am 28. Oktober 1938 über Hannover an die polnische Grenze nach Bentschen deportiert.[2] 1939 kamen Salomon, Henriette und die Tochter Eva, geboren 1928, in das Ghetto Wolomin. 1942 wurden sie in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet.[3]

Stolpersteine

Am Standort des früheren Hauses Große Straße 44 in Ibbenbüren ist für Henriette Kamenetzky ein Stolperstein verlegt worden. Weiter Stolpersteine für die Familie Kamenetzky befinden sich in Hameln[4].

Einzelverweise

  1. 1,0 1,1 1,2 http://stolpersteine.geschichte-hameln.de/namenschicksale/26kamenetzky.php?name=kamenetzky
  2. http://www.geschichte-hameln.de/gedenkbuch/dokumentation/indexgb.php?p=einn&eidi=1032
  3. http://www.stadtmuseum-ibbenbueren.de/stadtgeschichte_stolpersteine.htm
  4. https://www.tracesofwar.com/sights/95570/Stumbling-Stones-K%F6nigstra%DFe-2.htm