Hanne Kuyt (auch Hanna Kuyt[1], Hanna Kuijt[2], Hanne Kent[1] und Hanne Kaut[1], geboren am 16. September 1897 in Berlin], ermordet am 16. April 1943 im Vernichtungslager Sobibor[2]) war eine deutsche Filmeditorin und Opfer des Nationalsozialismus.

Hanne Kuyt am Set von De big van het regiment (1935)

LebenBearbeiten

Hanne Kuyt wurde am 16. September 1897 als Tochter von Emilie Kuyt (geboren am 7. März 1871 in Sandersleben, gestorben am 24. Mai 1939 in Amsterdam) und einem bisher unbekannten Vater in Berlin geboren.[3] Sie ist die Großnichte von Calmon Rosenthal, dem Vater von Hildegard Heimbach, Meyer Rosenthal (geboren am 7. April1868 in Ibbenbüren, gestorben am 2. August 1868 in Ibbenbüren), Meyer Rosenthal, Emilie Heimbach und Erika Schmitz.[4]

Hanna Kuyt arbeitete in Berlin als Filmeditorin. Sie hat eine Zeit lang in Ibbenbüren gelebt, [2][5] Näheres dazu ist aber nicht bekannt. Sie floh vor antisemitischer Verfolgung und wegen der Aussichtslosigkeit, in ihrem Beruf in Deutschland weiterarbeiten zu können, in die Niederlande. Im Gedenkbuch des Bundesarchivs für Opfer der Verfolgung der Jugend unter der nationalistischen Gewaltherrschaft[2] ist die Emigration für den 18. Januar 1938 eingetragen. Sie wohnte in der Weissenbruchstraat 20 in Amsterdam.[6] Hanne Kuyt arbeitete aber schon vorher als Filmeditorin unter dem Namen Hanna Kuijt in den Niederlanden.

Berufliche Schwierigkeiten in den NiederlandenBearbeiten

Die niederländische Filmindustrie hatte ein Interesse an deutschen Fachkräften, die in der Zeit des Nationalsozialismus Deutschland verließen. Allerdings zog die Nederlandse Vakvereeniging van Filmkunstenaars (NVF) Ende 1934 die Reißleine. Anlass war der Film De big van het regiment, der von der Filmproduktionsvereinigung Monopol-DLS produziert wurde. An diesem Film waren der deutsche Regisseur Max Nosseck, der österreichische Kameramann Adolf Schlasy, der Filmarchitekt Erwin Scharf und Hanna Kuyt beteiligt. Die ersten drei Immigranten bekamen eine Arbeitserlaubnis. Hanna Kuyt wurde eine solche verwehrt. Als bei sich bei einer Kontrolle herausstellte, dass Hanna Kuyt doch für Monopol-DNS arbeitete, griff der Rijksdienst der Werkeloosheidsverzekering en Arbeidsbemiddeling ein und Monopole ließ die Arbeit am Film ruhen, da Hanna Kuyt unverzichtbar sei. Man einigte sich auf einen Kompromis: Für jeden deutschen Immigranten, der in grundlegende Arbeiten wie Regie, Szenerie oder Bühnenbild tätig war, musste ein Niederländer eingestellt werden. Hanne Kuyt erhielt eine Arbeitserlaubnis und einen niederländischen Kollegen zur Seite: Bernhard Keulen.[7]

Deportation und ErmordungBearbeiten

 
Karteikarte zu Hanne Kuyt in Westerbork
 
Rückseite der Karteikarte
 
Inhaltierungsliste aus Westerbork

Hanne Kuyt wurde am 24. März 1943 in das Durchgangslager Westerbork deportiert, von dort aus am 13. April 1943 weiter in das Vernichtungslager Sorbibor, wo sie am 16. April 1943 umgebracht wurde.[2]

FilmeBearbeiten

VideoBearbeiten

De big van het regiment (1935, Hanne Kuyt wird mit richtigem Namen im Vorspann erwähnt)

TriviaBearbeiten

Im Januar 1976 wird in der Erbsache Gertrud Meenden (geboren als Getrud Kuyt am 1. September 1897 in Leipzig-Eutritsch, gestorben am 22. Januar 1968 in Bremen) in Zeitungsannouncen nach Mitgliedern der Familien Kuyt, Rosenthal, Heimbach und Cohen gesucht. [8]

LiteraturBearbeiten

  • Günter Peter Strascheck, Hanne Kuyt, Konvolut von Unterlagen zu Hanne Kuyt, 1970

EinzelverweiseBearbeiten

  1. 1,0 1,1 1,2 https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=nid%3D106170226X
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1096525
  3. s.a. Gertrud Althoff, Suche nach den Spuren der jüdschen Ibbenbürener Bürger in der Ausgabe der Ibbenbürener Volkszeitung vom 8. März 2000
  4. s. Stammbaum der Familie Rosenthal in Josef Bröker, Annette Kleinert, Brigitte Rieping-Seibold (Red.), 850 Jahre Ibbenbüren, Historischer_Verein_Ibbenbüren#Ibbenbürener Studien, Band 3, 2. Auflage 1997, Ibbenbürener Vereinsdruckerei, S. 291; Auf der Seite des Temple Beth Sholom wird angegeben, Hanne Kuyt sei die Cousine David Rosenthals, was allerdings zumindest als Cousine ersten Grades zweifelhaft ist; s. https://tbsroslyn.org/wp/wp-content/uploads/2021/04/YomHashoahPowerpoint2021.pdf
  5. https://www.myheritage.de/research/collection-10921/deutschland-judische-opfer-der-nationalsozialistischen-verfolgung-1933-1945?itemId=93578&action=showRecord&recordTitle=Hanna+Kuijt
  6. Nederlandsche staatscourant, Ausgabe 210 vom 27. Oktober 1949, s. https://www.delpher.nl/nl/kranten/view?coll=ddd&identifier=MMKB08:000167573:mpeg21:p014
  7. https://filmdatabase.eyefilm.nl/collectie/filmgeschiedenis/artikel/de-zaak-hanna-kuijt
  8. Ausgabe der Ibbenbürener Volkszeitung vom 7. Januar 1976, s.a. Ausgabe der Zeitung Leidsche Dagblad vom 24. Januar 1976, https://leiden.courant.nu/issue/LD/1976-01-24/edition/0/page/14