Rudolf Müller

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Dr. jur. et. rer. pol.[1] Rudolf Müller (* 2. April 1890[2] in Wermelskirchen[3], † ?) war von 1922 bis 1945 Bürgermeister von Ibbenbüren (Bezeichnung zunächst Amtsmann, dann Bürgermeister des Amtes Ibbenbüren).

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Offizierkorps des Infanterie-Regiments Nr. 159 anno 1908
Rudolf Müller wurde in Wermelskirchen geboren und wuchs in Mülheim an der Ruhr auf[3].

1914-1918: Teilnahme am 1. Weltkrieg[Bearbeiten]

Im 1. Weltkrieg nahm Rudolf Müller als als Offizier des Infanterie-Regiments 159 teil[4].

1921-1941: Bürgermeister und Feuerwehrführer in Ibbenbüren[Bearbeiten]

Im November 1921 übernahm Rudolf Müller zunächst kommissarisch, ab Januar 1922 fest das Amt des Bürgermeisters in Ibbenbüren[4].

Feuerwehrleiter[Bearbeiten]

Von 1922 bis 1935 war Rudolf Müller Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Ibbenbürens[5]. Danach war er bis 1942 Kreisbrandleiter[5].

Provinzialfeuerwehrführer von Westfalen[Bearbeiten]

Rudolf Müller war lange Jahre Provinzialfeuerwehrführer von Westfalen. "Er war in dieser Funktion gegen die Übernahme durch die Polizei und fiel dadurch in Ungnade beim Chef der Ordnungspolizei. Dies führte im November 1937 zur Abberufung Müllers."[6]

Zeit als Bürgermeister Ibbenbürens zwischen 1933 und 1941[Bearbeiten]

Rudolf Müller war Mitglied der NSDAP. Einerseits unterstützte er während der Zeit des Nationalsozialismus' Opfer von Übergriffen durch SA und SS, ließ zwei SS-Mitglieder verhaften, weil sie nach den Novermberprogromen jüdisches Eigentum gestohlen hatten und ging gegen Boykott-Aufrufe gegen den Geschäftsmann Isaak Winkler vor[4].

Am 31. März 1933 machte die IVZ bekannt, dass am darauffolgenden Tag Filmaufnahmen von Bürgern, die bei jüdischen Geschäftsleuten einkauften, gemacht werden. Rudolf Müller wurde daraufhin in einer Liste veröffentlicht, weil er zu den Ibbenbürener gehörte, die trotz alledem weiterhin bei den jüdischen Metzgern Winkler und Rosenthal einkauften[7]. Laut Zeitzeugenaussage wurde er später wegen “judenfreundlichen Verhaltens” aus der Partei ausgeschlossen[8].

Andererseits wies Müller am 10. November 1938 die Feuerwehr an, die brennende Synagoge nicht zu löschen[9]. Auch schlug er vor, Teile der Pachteinnahmen eines jüdischen Geschäftsmanns einzuziehen, mit der Begründung,

dass den [sic] jüdischen Besitzer eine [...] Rente zufließt, die im Hinblick auf den Einsatz jüdischen Vermögens nicht befürwortet werden kann.[4]

Anordnung der Umbennenung der Poststraße in Ibbenbüren in Victor-Lutze-Straße[Bearbeiten]

03.04.1937 polizeiliche Verfügung des Amtsbürgermeisters als Ortspolizeibehörde, gültig ab 20.04.1937:

Im Interesse der allgemein üblichen Ehrung des Führers, Horst Wessels und des Ministerpräsidenten Generaloberst Göring und im Hinblick darauf, das der Stabschef der SA, Oberpräsident Victor Lutze, langjähriger Schüler der Ibbenbürener Rektoratschule gewesen ist, zugleich zum Zwecke der Bereinigung der unübersichtlichen Nummerierung in der Altstadt Ibbenbüren und zur Vorbereitung der notwendigen Aufteilung der gleichfalls völlig unübersichtlich nummerierten Feldmarken wird gemäß dem Runderlaß des Ministers des Innern vom 9.5.1933 - I c17/19 II - MBliV. Seite 561 folgendes angeordnet: [...], Nummeriung wird erneuert, tlw., nicht die Häuser Poststraße 1-5; 17.04.1937 polizeiliche Verfügung des Amtsbürgermeisters (Nummerierung): "Verlängerung der Victor-Lutze-Straße in gerader Linie bis zur Einmündung in den Püsselbürener Damm.[10]

1941-1945: Einzug zum Wehrdienst[Bearbeiten]

Müller wurde 1941 zur Deutschen Wehrmacht eingezogen, bekleidete aber formal bis 1945 das Amt des Amtsbürgermeisters. Seine Vertreter waren Flecks (1941-1942), Picklein (1942-20.3.1945), Voermeyer (21.3.-7.4.1945)[3]. Nach dem Krieg geriet Müller in Kriegsgefangenschaft.

1946-1961: Rückkehr zur Feuerwehr[Bearbeiten]

Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft war Rudolf Müller von 1946 bis zum 1.9.1961 Bezirksbrandmeister[5]. Er war Vorsitzender des Feuerwehrverbandes Westfalen-Lippe, Mitglied des Feuerschutzbeirates des Landes Norstfalen, Vorstandsmitglied der Deutschen Feuerwehr-Verbandsgruppe Westfalen-Lippe und Mitglied des Verbandsgruppenausschusses Westfalen-Lippe[5]. 1948 wurde er auf Vorschlag des Gemeindetages Westfalen-Lippe zum Vizepräsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes gewählt[5].

Ehrungen[Bearbeiten]

Rudolf Müller ist Ehrenmitglied der Ibbenbürener Freiwilligen Feuerwehr. Zudem wurden ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, das Feuerwehrehrenzeichens in Gold, der Ehrenzeichen I. und II. Klasse der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, Feuerwehr-Verdienst-Ehrenzeichen von England, Österreich, Jugoslawien, Frankreich und Belgien, sowie die Ehrennadel des DRK in Gold[2] verliehen. Er war des weiteren Ehrenmitglied der französischen Freiwilligen Feuerwehr und im Besitz zahlreicher ausländischer Auszeichnungen.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Müller, Rudolf; Das Dienstjahr bei der freiwilligen Feuerwehr, 1935[11]
  • Müller, Rudolf; Baurat F. Witt Recklinghausen, Provinzialfeuerwehrführer Westf., 1935[11]
  • Müller, Rudolf; Handbuch des Feuerschutzes für den Freiwilligen Feuerwehrmann, 1966[11]

Einzelverweise[Bearbeiten]

  1. http://www.stadtmuseum-ibbenbueren.de/buecherlisten_stadt_ibbenbueren/Literatur%20Feuerwehr,%205%20Seiten,%20Archiv%20Ibb..DOC
  2. 2,0 2,1 IVZ vom 3. April 1975, http://archiv.ivz-aktuell.de/IVZ/1975/19750403/077_IVZ_1975-04-03_009-t001.jpg
  3. 3,0 3,1 3,2 http://www.stadtmuseum-ibbenbueren.de/stadtgeschichte_aufsaetze_25.htm
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Lars Boesenberg, Jürgen Düttmann, Norbert Ortgies, Machtsicherung, Ausgrenzung, Verfolgung: Nationalsozialismus und Judenverfolgung in Ibbenbüren, mit einem Beitrag von Marlene Klatt und Rita Schlautmann-Overmeyer, Historischer Verein Ibbenbüren, S. 19
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 http://feuerwehr-ibbenbueren.de/downloads/ba4.pdf; aus 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Ibbenbüren, 1977
  6. Axel Polnik, Die Bayreuther Feuerwehren im Dritten Reich, S. 305
  7. http://www.kulturspeicher.net/theater_00.html
  8. Schlautmann-Overmeyer, Klatt: Ibbenbüren in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Münster., Historische Kommission für Westfalen, Münster 2008, S. 419ff
  9. http://wiki.ibbtown.com/Nationalsozialismus_in_Ibbenb%C3%BCren#Repressalien_gegen_j.C3.BCdische_Bev.C3.B6lkerung
  10. http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/nstopo/strnam/Kategorie_StaatPolitikVerwaltungPolizeipraesident.html
  11. 11,0 11,1 11,2 http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/findbuch.jsp?archivNr=278&klassId=15&tektId=6&id=020