Isaak Winkler

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Isaak Winkler
Isaak Winkler (* 24. April 1859 in Ibbenbüren, gestorben am 13. Februar 1937 in Ibbenbüren[1]) war ein deutscher Metzgermeister und Geschäftsmann jüdischen Glaubens.

Repressalien und Unterstützung während der Zeit 1930 bis 1935

Unterstützung durch den Bürgermeister Müller

Der von 1922 bis 1945 amtierende Bürgermeister Rudolf Müller wandte sich gegen Boykott-Aufrufe gegen Winkler und kaufte am 1. März 1933 bei ihm ein, obwohl einen Tag zuvor vor Käufen gewarnt wurde, da Käufer gefilmt und namentlich auf Listen ausgehängt wurden[2]. Derartige Bilder wurden am 30. Juli 1935 in Stürmerkästen gezeigt[3].

August 1935

Im August 1935 wurden vor den Metzgereien Goldschmidt und Winkler Schilder mit diffamierenden und potentielle Kunden warnenden Aufschriften aufgestellt[4].

Petition für Winkler

Am 3. August 1935 erreichte den Landrat Dr. Meyer-Nieberg ein Schreiben des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Darin wurden die Boykott-Aktionen gegen Metzger Winkler beklagt und Sanktionen gefordert: „Diese Eingriffe stehen in eindeutigem Gegensatz zu den wiederholten Erlassen der Reichsregierung (…) Nicht unerwähnt möchten wir lassen, dass nach uns zuteil gewordenen (sic!) Bericht der Metzger Winkler in Ibbenbüren den besten Ruf und ein grosses Ansehen geniesst (…)“ Von der zuständigen Behörde wurde der Brief mit dem internen Vermerk „Dann sollen sie doch auswandern!“ versehen.[5]

Geschäftsaufgabe

Helene Wexseler (geb. 13.08.1874 in Bersenbrück, gest. 19.07.1934 in Ibbenbüren)
Winkler verpachtete sein Geschäft, in dem auch Helene Wexseler arbeitete[6], 1935 zunächst an Josef Börgel[7] und vererbte es ihm dann. Neben Isaak Winklers Metzgerei gab es noch mit den Metzgereien von Sally Goldschmidt und Richard Cohen, Planestr. 15, zwei weitere Metzgereien jüdischer Geschäftsmänner[3].

Unterstützung durch Kaplan Daldrup

Kaplan Daldrup nahm im Frühjahr 1937 zwei Ibbenbürener Juden gegen eien Diffamierung in Schutz und erhielt dafür Berufsverbot. Ferner widersprach er einer Lehrerin der Stadtschule, die vor Schülern behauptet hatte, Juden würden "nichts Gutes" tun und verwies auf die Ibbenbürener Bürger Isaak Winkler und Julius Kaufmann, die für ihre Wohltätigkeit stadtbekannt waren.[3]

Pflege durch Pauline Winkler

Münsterstr. 2 (Haus in der Mitte)
Isaak Winkler litt im Alter an Arteriosklerose und wurde bis zu seinem Tod von der Frau seines Vetters, Pauline, zuhause an der Münsterstr. 2[8] gepflegt, nachdem er eine Hausangestellte entlassen musste[9]. Pauline Winkler kam nach der Deportation aus Theresienstadt am 15. Mai 1944 in Auschwitz um[10].

Beerdigung

An Winklers Beerdigung nahm mit Martin Lause nur ein nichtjüdischer Trauergast teil[3].

Deswegen zur Rede gestellt, soll sich Martin Lause geschickt und geistreich gerechtfertigt haben, indem er mit dem Satz antwortete: "Ich habe den Juden bis ins Grab verfolgt". [9]

Trivia

Isaak Winkler hat seinem Neffen Alexander Wexseler ein Auto geschenkt, das dieser seinem Vater Julius für Reisen überlies[11].

Isaak-Winkler-Weg

In Ibbenbüren wurde der Isaak-Winkler-Weg nach Winkler benannt.

Einzelverweise

  1. http://alt.heiligkreuz.info/gemeinde/public/inhalt.php?id_artikel=160
  2. http://wiki.ibbtown.com/Rudolf_M%C3%BCller#Zeit_als_B.C3.BCrgermeister_w.C3.A4hrend_der_Zeit_von_1933_bis_1945
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Freund, Susanne; Franz-Josef Jakobi; Peter Johanek, Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe, Band 1, S. 419
  4. Freund, Susanne; Franz-Josef Jakobi; Peter Johanek, Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe, Band 1, S. 418
  5. Lars Boesenberg, Jürgen Düttmann, Norbert Ortgies, Machtsicherung, Ausgrenzung, Verfolgung: Nationalsozialismus und Judenverfolgung in Ibbenbüren, mit einem Beitrag von Marlene Klatt und Rita Schlautmann-Overmeyer, Historischer Verein Ibbenbüren, S. 76
  6. Borrie, Maria von; Euer Name lebt: zur Geschichte der Juden in der Region Bersenbrück, S.117
  7. http://www.fleischerei-boergel.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2&Itemid=3
  8. Elfi Pracht-Jörns, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen: Regierungsbezirk Münster, J. P. Bachem Verlag, 2002, S.366
  9. 9,0 9,1 Lars Boesenberg, Jürgen Düttmann, Norbert Ortgies, Machtsicherung, Ausgrenzung, Verfolgung: Nationalsozialismus und Judenverfolgung in Ibbenbüren, mit einem Beitrag von Marlene Klatt und Rita Schlautmann-Overmeyer, Historischer Verein Ibbenbüren, S. 77
  10. http://www.yadvashem.org/yv/de/education/newsletter/02/book_ibbenburen.asp
  11. Borrie, Maria von; Euer Name lebt: zur Geschichte der Juden in der Region Bersenbrück, S.205